Branche: Logistik (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 79 · Umsatz: ca. 2.950.000 € · Verbindlichkeiten: 1.180.000 €
So begann der Fall
Erst schrieb er per E-Mail, zwei Tage später saßen wir mit der BWA und einer handgeschriebenen Gläubigerliste am Tisch. Zwei Brüder führten die GmbH; einer blockierte jeden Notartermin mit dem Hinweis auf fehlende Bewertung.
Die Logistik-GmbH hatte 79 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von rund 2.950.000 € – auf dem Papier noch präsentabel. Unter der Oberfläche: negative Wochenliquidität ab Woche drei, 153.000 € Debitoren älter als 90 Tage und kein Beschluss zu StaRUG-Sanierung.
Chronologie (21 Wochen)
Gegen Ende des ersten Monats hatte der GF ein Protokoll, das er auch seinem Steuerberater nicht schämte. Bei starug geht es in der Praxis selten um Theorie – sondern um Timing und Protokolle.
Woche eins: SuSa, Bank, Gläubigerliste. Woche zwei: 13-Wochen-Liquiditätsplan und Matrix – 77 % der Schulden bei sechs Namen. Woche drei: Stundungsgespräche, Raten über 389.400 €.
Ab Woche 5 lag der Fokus auf Erwerberliste und Notarvorbereitung. Der GF führte das Protokoll selbst – das war sein Wunsch.
Ich dokumentiere jeden Schritt so, dass ein späterer Gutachter die Logik nachvollziehen kann.
Ergebnis
Nach 21 Wochen lag ein handfester Pfad zu StaRUG-Sanierung vor – ohne Aktionismus. Insolvenzantrag war nicht nötig; die Pflicht zur erneuten Prüfung stand im Kalender. Beschlüsse und Zahlungsprotokolle waren vollständig.
Typische Fehler in vergleichbaren Mandaten
Typische Umwege: Gesellschafterbeschlüsse nur mündlich, nie im Protokoll. Rücktritt des GF ohne Übergabe an einen handlungsfähigen Nachfolger. Ein Erwerber ohne NDA und ohne Referenzprüfung.
Haftung – kurz eingeordnet
§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.
Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.